Krimi-Spannung ist artistisch
Zugegeben: Ich bin ein Fan des Varieté-Theaters Papierfabrik in Klein-Neusiedl. Was das Artisten-Ehepaar Seraina und Marc Dorffner dort auf die Beine gestellt hat, ist internationales Format und auch mutig. Sie leben ihren Traum eines modernen Varietés, das hierzulande seinesgleichen (vergeblich) sucht: Akrobatik, Komik, Zauberei, Musik – und das alles in einen theatralischen Rahmen verpackt.
„Kreuzverhör“ heißt die mittlerweile fünfte Eigenproduktion der Papierfabrik, die noch bis 8. September jeweils Freitag bis Sonntag gezeigt wird. Kurz die Story: Trotz strenger Bewachung wird die Goldene Kette von Kleinneusiedl gestohlen. Zwei Kommissare machen sich auf die Suche nach den Dieben: Hauptverdächtige ist eine Taschendiebin, die den beiden Polizisten selbst wiederholt das Geldbörsl entwendet. Ermittelt wird undercover im Prater, in der Disco oder bei strömenden Regen im Rotlichtmilieu. Auch aus dem Publikum wird jemand herausgefischt, der an den Lügendetektor angeschlossen absurde Fragen beantworten soll. Ach ja: Und dazwischen wird mit Profis geübt, wie man aus dem Gefängnis ausbricht.
Und damit sind wir bei der atemberaubenden Akrobatik, die mitunter am Trapez und auf frei stehender Leiter zum Teil zwischen den Publikumstischen stattfindet.
Großartig auch, wie mit Lichteffekten Szenerien von der grünen Flur bis zum Wolkenbruch auf die Bühne gezaubert werden.
Meine Lieblingsszene: Der Berliner Kommissar erschießt irrtümlich seinen österreichischen Kollegen. Oder hat sich der selbst ins Knie geschossen? Jedenfalls präsentieren die beiden Polizeibeamten das ganze Dilemma samt Wiederbelebungsversuchen in Zeitlupe. Zum Schieflachen! Am Ende stellt sich heraus, dass es ja nur eine Platzpatrone war …
Wer der Dieb der Goldenen Kette war, sei hier aber noch nicht verraten, zumal das „Kreuzverhör“ auch für kommende Zuschauer spannend bleiben soll. Magisch ist es allemal.
Location und Service:
Wie schon in meiner Kritik vom März: Tadellos. Feines, zur Story passendes Detail: Speisen und Getränke werden von Polizisten serviert.
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